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Die Geschichte des Miniatur Bullterriers

Miniatur-Bullterrier - kraftvoll
geschrieben von Carsten Wagner

Im Buch „The Dog of British Island“, welches 1872 veröffentlicht wurde, finden wir die erste Beschreibung über den Miniature Bullterrier. Im Allgemeinen wird England dafür gelobt, die besten Terrier zu züchten. Diese Terrier waren sehr fähig über sowie unter der Erde Raubzeug zu stellen. Sie waren tapfer, schnell und sehr treu ergeben. Doch man benötigte einen Hund, der robuster war als die derzeit gezüchteten Terrier, um es mit Mardern und Iltissen aufzunehmen und diese zu stellen

Zuchtziel war die Jagd

Diesen tapferen und gleichsam bezaubernden Terrier, der nicht nur alle Voraussetzungen für die Jagd erfüllte, sondern auch den idealen Gefährten für Stadt und Land darstellte, erzielte man durch die Kreuzung des echten englischen Terriers und des Bulldogs.

Es heißt in diesem Buch weiter, dass die Zucht dieses Miniatur-Bullterriers allein auf einen harten einsatzfähigen Jagdhund ausgerichtet ist. Dieser Hinweis von Stonehenge 1872 ist ein ganz klarer Beleg dafür, dass der Bullterrier niemals für den Hundekampf gezüchtet wurde. Das Ende des 19. Jh. war allerdings eine Epoche, die durch vielseitige Kampfspiele mit hohen Wetteinsätzen charakterisiert ist. Faustkämpfe, Hahnenkämpfe, Dog-Fights, Rat-Pits, Bull-Baiting, Bear-Baiting waren wichtige Einnahmequellen des kleinen Mannes. Das Bull-Baiting war dabei mit ausschlaggebend für die Namensgebung des Bullterriers.

Der Mensch Missbraucht schon eh und je

English-White-Terrier 1873Der Mensch, mit skrupellosem rauen Charakter, wusste die Treue, den Mut und den tollkühnen Schneid des Bullterriers zu missbrauchen. Seine tadellose Gefolgschaftstreue, sowie seine jagdlichen Qualitäten, wurden auch sein Verhängnis zu dieser Zeit. Jagd ist Kampf. Und dieser Kampf war nun mal das Gewerbe für den Miniatur-Bullterrier. Dieser Missbrauch machte den Ruf des Miniatur-Bullterriers zu Nichte. Das Idealbild als Familienhund, das er mit seiner Treue, seiner liebevollen Art, seiner Wachsamkeit und seinem Humor uneingeschränkt bediente und bedient, rückte zu dieser Zeit sehr in den Hintergrund. Die Kunststiche aus dem 19. Jh. brachten den Miniatur-Bullterrier immer wieder mit solchen Kampfszenen in Verbindung. Bedauerlich. Denn der Bullterrier ist ein Hund, der die Menschen liebt und ihnen absolut ergeben ist.

Dem Adel verpflichtet

Aus dem Bericht von Lord Decies aus dem Jahre 1906, geht hervor, dass der Toy-Bullterrier sehr viel Anerkennung im Hause von König Georg dem 4. erhielt. Das Äußere dieses Bullterrier-Typs war damals noch etwas anders. Die Köpfe waren runder (Apfelköpfe), der Fang kürzer und die Vermutung liegt nahe, dass auch die Kieferkraft größer war. Das Haarkleid könnte so dünn gewesen sein, dass die rosa Haut durchschimmerte. Der Schneid der damaligen Toys war einmalig. Die Augen waren mehr Klotzaugen und der Bulldog-Typ kam zu dieser Zeit eher zum Tragen als das alte Terriererbe. Um das Aussehen zu verbessern, züchtete man nun wieder verstärkt den englischen Terrier mit ein, was zur Folge hatte, dass die Köpfe länger wurden und die Augen kleiner und dunkler.

Fasst 100 Jahre Rassestandard

Der gewünschte Rassestandard war schon zur damaligen Zeit ähnlich dem des heutigen. Welche züchterischen Schwierigkeiten sich ergaben, um gute Köpfe und Fronten zu erzielen, berichtete 1936 der bedeutende Bullterrierkenner F.W.Hogarth. Zu dieser Zeit beklagte man weiterhin die großen Schwachpunkte der Anatomie bei Toys und Miniature. Die Schwerpunkte, die es zu verbessern gab, waren die zu runden Köpfe, der zu schwache Fang und die sehr schlechte Routenhaltung sowie die hervorstehenden Klotzaugen.

Der Große war schon immer im Kleinen

Um diese Schwachpunkte zu beseitigen, empfahl man das Bantamising anzuwenden. Dabei wird vom Standard immer nach unten gezüchtet. (Diese Methode wurde sehr erfolgreich beim Zwergpinscher in Deutschland, oder auch beim Pudel in Frankreich, angewendet.)

Miniatur Bullterrier Buxton BlackoutMontgomery, ein sehr namhafter Bullterrierkenner, strebte danach, den Miniatur-Bullterrier zu verbessern. Er sortierte jeden Welpen mit den geringsten Anzeichen von Mangelerscheinungen in Wesen und Anatomie aus und erzielte damit sehr gute Miniatur-Bullterrier. Gesund, arbeitsfähig und intelligent. Ein wahrer Standard in Miniaturausgabe. Die Aufgabe des Miniatur-Bullterriers wird klar definiert. In erster Linie soll er ein Gefährte für die Familie sein, aber auch als Jagdhund soll er gegen verschiedenes Raubzeug seinen Hund stehen können.

200 Jahre Miniatur-Bullterrier

Die Geschichte des Miniatur-Bullterriers ist ein stetiges Auf und Ab. Der Beginn vor über 200 Jahren war von vielversprechender Hoffnung geprägt. 1863 wurde die erste Ausstellung für den Miniatur ins Leben gerufen. Der damalige Präsident des Kennel-Clubs führte selbst einen bedeutenden Zwinger. Doch all die Bemühungen der Rasse zum Fortbestehen zu verhelfen, schien vergebens.

Der Miniatur-Bullterrier war fast ausgestorben

Anfang des Ersten Weltkrieges starb die Rasse zu 98% aus. Die Anhängerschaft verschwand. Nur noch einige sehr wenige, die den Miniatur als Jagdhund zu schätzen wussten, sorgten dafür, dass dieses alte Blut weiterfloss. In dieser Zeit beendete auch der Kennel-Club nach und nach die Anerkennung der Rasse, da bei Ausstellungen eine zu geringe Meldezahl zu verzeichnen war. So mussten die kleinen Bullterrier als Standard-Bullterrier gelistet werden, was dazu führte, dass die Miniatur-Bullterrier mit den kleinsten Standard-Bullterriern gekreuzt wurden. Positiv an dieser Entwicklung war, dass sich daraus sehr schöne Miniatur entwickelten.

Interbreed – Schon immer eine Notwendigkeit

1938 wurde durch Sponsoren der Miniatur-Club gegründet, der nun wieder ein Größenlimit und Gewichtslimit vorschrieb. Die Widerristhöhe war auf 35.6 cm begrenzt und das Gewicht durfte 9 kg nicht überschreiten. Die Bemühungen des Clubs zeigten Erfolg. Der Kennel-Club erkannte den Miniatur wieder als eigenständige Rasse an und stellte nun wieder Challence Certificates aus.

Die Kreuzungen aus Miniatur und Standard-Bullterrier, mussten nun als inter-breed eingetragen werden. Eine erneute Kreuzung, mit einem Interbreedwelpen und einem Miniatur, wurde als inter-breed der zweiten Generation eingetragen. Wurde nun ein Interbreed der zweiten Generation mit einem reinen Miniatur gepaart, war dieser daraus entstandene Welpe wieder als reiner Miniatur-Bullterrier einzutragen.

Diese Ausnahmeregelung des Kennel-Clubs ließ den Miniatur wieder aufblühen und seine Anhängerschaft wuchs.

(Quelle: Dr. Dieter Fleig – der Miniature-Bull-Terrier.)
Diese Berichte sind in diesem Buch genauer zu lesen.Miniature Bull Terrier – heute

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Die Geschichte des Miniatur Bullterriers
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Die Geschichte des Miniatur Bullterriers
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Die Geschichte des Miniatur-Bullterriers gibt Aufschluss über das wahre Zuchtziel. Der Ursprung des Miniatur-Bullterrier hat mit den Schauergeschichten der Unwissenheit nichts zu tun.
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Mit Hunden Leben - Hundeschule Düsseldorf
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Carsten Wagner

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