Beziehung / Erziehung

Anspruch auf Disziplinieren

Bullterrierzuneigung - Mit Hunden leben
geschrieben von Carsten Wagner

Das effektive Lernen kann nur dann stattfinden, wenn das zu Lernende in einer bestimmten Form angeboten wird und bis zur Verlässlichkeit beharrlich, aber herzlich, einstudiert wird. Der Hund, besonders aber der Welpe, wird viel zu früh gemaßregelt für Dinge, die er gar nicht leisten kann. Paradoxerweise fordert der Mensch nicht selten vom Hund Sachen ein, die er selber nicht erbringen kann. Um sich nun von der eigenen Unzulänglichkeit freizusprechen, schiebt man zu Lasten des Hundes den Ungehorsam des Vierbeiners ins Zentrum der Erklärungen, was immer nur das Vertrauenskonto belastet.
Den Anspruch zu haben, seinen Hund zu korrigieren, ohne eine stimmige Beziehung zu führen, wird viel zu oft als selbstverständlich gesehen. Wir sind in unserem Herrschaftsglauben oftmals so selbstüberschätzend, dass wir gar nicht auf den Gedanken kommen, dass so mancher Welpe mental schon besser ist als man selbst, und wundern uns dann noch, weshalb der Welpe beginnt, knurrend zu reklamieren. Wenn dann noch versucht wird, den Hund davon zu überzeugen, dass man ein Recht darauf hat, Forderungen zu stellen, obgleich alle Zeichen dagegen sprechen, stärkt man nur die eigene Unglaubwürdigkeit, was die Sache noch mehr entgleiten lässt.

Die Konflikte nehmen genau dann zu, wenn man sich seiner eigenen Schwäche nicht bewusst ist und versucht, den Hund durch Wollen und Druck in eine Form zu pressen, die früher oder später zerbrechen muss, weil in ihr kein Gleichgewicht von Vertrauen und Respekt zu finden war. Eine klare Struktur, wann beginne ich bei wem mit was und das exakt wiederholende Einhalten der Lernvorgaben bis zum lückenlosen Erreichen des Lernziels ist also die Basis, korrigieren zu dürfen.

Fazit

Wir sollten vorsichtiger sein, die nicht erfüllten Vorgaben nur auf die Charaktereigenschaften einer Rasse und die damit verbundenen Entwicklungsunterschiede zu schieben oder die weitverbreitete, gefährliche menschliche Sichtweise, der Hund habe darauf keinen Bock, deshalb benehme er sich so, zu untermauern. Eine Nullbock-Einstellung erfordert immer eine Überlegung. Es unterliegt also nicht der rein situativen Handlung (Ursache und Wirkung), nach der der Hund nur handeln kann. Ein Sträuben, ein Verweigern oder ein Blockieren sind in den meisten Fällen ein Missverständnis zwischen Sender und Empfänger. Ehrlichkeit zu uns selbst sollte daher Bedingung sein, um die Frage, ob das Geforderte konfliktfrei gefestigt ist und ob man selbst 100% gearbeitet hat, sachlich stellen zu können. Sind dann bei ehrlicher Betrachtung selbst verursachte Schwachstellen im Umgang mit dem Hund erkannt, können Sie auch nicht korrigieren. Natürlich können Sie alles, was sie wollen, nur hat eben jedes Verhalten auch seinen Preis.

Dem Bullterrier wird oft eine Dickköpfigkeit nachgesagt. Ich glaube allerdings, dass es nichts menschlich konstruiertes ist. Die Erklärung ist wesentlich simpler, aber dafür auch unangenehmer: Ein Defizit auf der Beziehungsebene. Wenn der Bully also “bockt”, müssen wir uns nur auf eine Beziehung einstellen und unsere Kommunikation umstellen – und damit meine ich nicht, dass Sie plötzlich Englisch sprechen.

www.mit-hunden-leben.com

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Carsten Wagner

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