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Deckentraining – Die Grundlage für die Ablage

Deckenarbeit - Mit Hunden leben
geschrieben von Carsten Wagner

Innere Ruhe sollte das Grundziel in der Hundeausbildung sein. Das Ablegen auf einer Decke kann für den Hund eine Erleichterung sein, diesen inneren Zustand zu erreichen. Welcher Trainingsweg welche Vor und Nachteile mit sich bringt, können Sie in diesem Beitrag lesen.

Ein Traum, wenn der Hund im Café friedlich ruht!

Zu einem Besuch im Café, in Restaurants oder in Parks gehört es zum gewohnten Bild, einen Hund vorzufinden, der friedlich eingerollt auf des Halters Jacke döst oder die Ruhe auf einer mitgebrachten Decke finden darf, da die Unnachgiebigkeit des Asphalts ein ungünstiger Wohlfühlfaktor ist.

In vielen Ausbildungsansätzen hat sich aus dieser oft ganz unbewussten Handlung ein Ausbildungselement entwickelt, das den Verbleib des Hundes auf einer Decke zum Ziel hat. In der Zielvorgabe nahezu identisch, liegen sowohl in der Ausführung als auch im weiterführenden Aufbau gravierende Unterschiede vor, die wiederum die Verknüpfung zur Decke bestimmen.

Spontanität ist ein Teil der Evolution

Der Cafébesucher legt dem Hund im Allgemeinen ein Jäckchen auf den Boden, weil sich ihm das Herz erschwert, da die Ungemütlichkeit des verstaubten Bodens keine Wohlfühlatmosphäre schafft. Aufgrund dessen, dass der Sprössling auf aller Härte Ruhe finden soll, schickt sich das Unbehagen im Menschen, was den Genuss von Kaffee und Gebäck zu Nichten macht, da sich das Bild vom frierenden Hund im geistigen Auge des Menschen manifestiert.

So schmeckt der Kaffee nicht! Ein Deckchen, ein Jäckchen, samt Lieblingskuscheltier, fällt auf den Boden und läutet für Mensch und Hund eine entspannte Zeit ein. Verlässt der Fratz die Decke, macht sich der Halter wenig Gedanken darüber, warum der auf weichen Filz gebettete Hund nicht lange auf der Decke verweilen will und kann.

Mit können hat dies nichts zu tun, denkt sich die Hausfrau im gut gekleideten Zwirn, denn auch die Halterin braucht keine Ausbildung, um auf dem Sofa stundenlang Stellung zu halten. Mit langer Rede, gestrecktem Finger und dem Unverständnis, warum man solch eine plüschige Spielwiese auch nur im Gedanken verlassen möchte, gibt es eine erklärende Standpauke, die auch dem Nachbarn signalisiert, dass hier jetzt alles geklärt ist und der Fratz verstanden hat, worum es geht.

Kaum zurück zum Tisch gewandt, fängt unser Hund erneut an, den gerade auftauchenden Hund am Caféeingang lauthals zu begrüßen. Nicht nur genervt, taucht der Halter sein Gesicht in Zornesröte. Dass Leben in dem Menschen wohnt, ist deutlich an dem Blutfluss zu erkennen, welcher sich in der geschwollenen Halsschlagader pulsierend zu erkennen gibt.

Sanktionen verteilen die Großen, und daher werden dem Hund auch solche angedroht, da sein Verhalten nur persönlich gegen die Halterin gerichtet sein kann. Denn schließlich ist er ja zu Hause ein sehr braver Hund. Die Absicht, Frauchen, die mit hochgestecktem Hut und elegantem Gewand zähneknirschend gute Miene zum bösen Spiel nach außen trägt, hier, vor allen Leuten bloß zu stellen, hat Konsequenzen.

Der Cafébesuch ist beendet und die versprochenen Strafen werden gleich, in stiller Ecke, verheerend sein. Unser Fratz scheint unbeeindruckt, da er das Prozedere auswendig kann. Die angedrohten Sanktionen enden in aller Regel mit dem Einstieg ins Auto. Beim ersten Zungenschlag des Hundes quer übers Gesicht der Tiefbetrübten, zählt nur noch eins: Das Leben, die Liebe, das Verzeihen.

Der Mensch ist wahrhaft groß in seinem Herz. Dass die Deckenarbeit nach Hausfrauenart keine saubere Verknüpfung zur Decke entstehen lässt, ist glaube ich jedem klar. Daher wird der Hund das Verhalten möglicherweise beibehalten, auch wenn die Standpauke mit einer Einleitung, einem spannenden Hauptteil und einer Danksagung versehen wird.

Zwei Bulldoggen liegen auf einer Decke und halten innere Ruhe

Zwei Bulldoggen liegen auf der Decke und lernen über die Distanz Ruhe zu halten.

Anderer Ansatz, ähnlicher Erfolg!

Der Jäger macht es schon seit langer Zeit, den Hund auf seine Jacke zu legen, ihn darauf zu verweisen, um ihn in die Ruhe zu bringen, das Abwarten zu lehren, bis er geholt wird, wenn die Arbeit ruft. In seiner Sicht und Handlung ist er recht straff, recht klar, lässt sich nicht auf sentimentale Nebensächlichkeiten ein, bringt den Hund über klare Ansagen und unmissverständliche Körpersprache auf die Decke.

Sehr konsequent, denn Diskussion und Bettelei sind schon von Haus aus nicht die Art, die er begrüßt. Verlässt der kleine Waldmann die geruchlich hinterlegte Position, wird er mit vehementer Einsatzbereitschaft zum Punkt der Ruhe zurück verwiesen, um das zu tun, was man ihm sagt. In meinen Augen nicht verwerflich, viel mehr interessant, da es zum Ziel führt.

Ein Nachteil dieser Einarbeitungsform dürfte allerdings das auf den Hund sehr massiv wirkende, energetische Einbringen sein, da es komplett auf den Hund gerichtet ist. Es gibt durchaus Hunde, die solch ein bestimmendes Vorgehen sehr persönlich nehmen, auf Grund ihres sensiblen Wesens.

Hat man sich für diese Form der Arbeit entschieden, ist darauf zu achten, dass zumindest eine stabile Beziehung zwischen Mensch und Hund vorhanden ist, da eine Korrektur im Aufbau Konflikte entstehen lassen wird, insbesondere dann, wenn in der Mensch-Hund-Beziehung schon eine Lücke klafft.

Eine Fehlverknüpfung zur Decke kann sich also beim zu schnellen Einfordern abzeichnen und wird sich deutlich spürbar zeigen, wenn man unsichere Hunde im Stressmanagement arbeitet, oder auch Hunde mit aggressivem Verhalten über das Deckenelement zurück in die Ruhe führen möchte.

Ein weisser Schäferhund liegt auf einem Tisch mit einer Hundedecke im Waldstück in Düsseldorf und lernt innere Ruhe.

Weißer Schäferhund im Junghundalter lernt die innere Ruhe durch das Deckentraining

Was nicht verstanden ist, kann nicht sauber abgerufen werden!

Missverständnisse zwischen Hund und Halter entstehen oft dann, wenn beide sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, wie ein Lerninhalt zu vermitteln ist und aufgenommen werden sollte. Sich ein Ziel zu wünschen und einen Weg dorthin zu gehen, sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.

Ist dieser fokussierte Mensch im Glauben behaftet, ein dreimaliges Zeigen des geforderten Verhaltens müsse ausreichen, um etwas abverlangen zu dürfen, kann das zu Konflikten im Hund führen. Vertrauenslücken entstehen dann, sobald sich der Halter emotional in die Situation hineinsteigert, da die Aufgaben nicht so geleistet werden, wie er sich das vorstellt.

Fordert er dem Hund zusätzlich noch Gehorsam ab, weil er die “offensichtliche Widerspenstigkeit” als Ungehorsam definiert, darf er sich nicht wundern, dass der Hund versucht sein wird, sich in ein Verhalten zu retten, das aus seiner Sicht dem Abverlangten nahe kommt.

Je mehr der zielorientierte Mensch, im Herzen seiner Selbst, das impulsive Einfordern als eine Rechtsgrundlage des Menschen gegenüber einem Tier ansieht – denn schließlich hat ein Hund das zu machen, was man ihm sagt, und dieses aufgedrehte Verhalten hat im Training schon mal gar nichts zu suchen, er lag ja schon dreimal auf der Decke – desto mehr wird er verwundert blicken, wenn der Hund immer hektischer die Lösung sucht und ein Potpourri an Übersprungshandlungen präsentiert.

In solch einem Fall wäre man besser beraten, den Hund aufzufangen und sowohl Verständnis als auch Weitsicht walten zu lassen. Einige Schritte zurück zu gehen heißt nicht automatisch, einen Rückschritt zu machen. Ein Mensch, der die Entwicklung als Prozess erkennt, nennt das Zurücktreten einfach nur Anlauf nehmen.

Ein Bullterrier und ein Jack Russell Terrier liegen entspannt auf einer Decke im Düsseldorfer Park

Miniatur Bullterrier und Jack Russell Terrier sichern über die Decke ab und schlafen im Park Düsseldorfs

Kommando ist Silber, Handeln ist Gold!

Ein anderer Ansatz macht es rein über Körpersprache, nonverbal, versperrt dem Hund den Weg und manövriert ihn mit ausgebreiteten Armen, bis er nur noch zurück zur Decke kann. Das Versperren und Drängen wird solange aufrechterhalten, bis der Hund von sich aus in die Ablage geht. Die Verknüpfung zur Decke könnte sich auch aus dieser Handlung einstellen, obgleich es für mich zu einer zu langen Diskussion führen dürfte und folgende Problematik in Betracht gezogen werden muss.

Was, wenn Sie dem Hund das Erlernte abverlangen müssen, sobald ein sehr starker Reiz unerwartet auftritt? Selbst wenn Sie darauf beharren, es gemeinsam ausstehen, bis der Kamerad sich ablegt, dürfte es aus Hundesicht nicht mehr als ein Verwehren bleiben. Einem kernigen Hund könnte dieses Versperren zudem ein erhöhtes Interesse bereiten, was dazu führt, dass der Hund seitlich ausbricht.

Verwehren fördert das Begehren. Ein guter Hund lässt sich nicht so leicht von seinem Vorhaben abbringen. Menschen, die mit einem extrem triebstarken Hund zu tun haben, wissen genau, was ich meine. So ein Knabe springt durch sie durch, wenn es sein muss. In der Raserei verfangen, könnte das gemeinsame Ausstehen Tage dauern, bis sich der Aktivist der ersten Stunde zum Niederlegen entschließt. Mit Zelt und Proviant ein machbarer Ansatz.

Die Decke lädt zum Picknick ein!

Andere beginnen den Einstieg gleich mit Futter, was das Einarbeiten erleichtert, da es sofort positiv verknüpft wird und man sich dem persönlichen Einbringen geschickt entziehen kann. Was aber, wenn ein guter Hund Beute vor Futter wählt? Wenn er sich im Reiz verfangen hat, den Halter komplett ausklammert und er im Kopf ganz woanders ist?

Verliert das Futter seine Wirkung und hat die Mensch-Hund-Beziehung im Fundament eine schwammige Substanz, dann kann es mitunter ziemlich amüsant werden, den Hund, in seiner aufgebrachten Gemütslage, in die Platzposition bringen zu wollen. Selten ist es aber dann der Mensch, der das Lachen nach außen trägt.

Das Schauspiel kennen wir alle. Der Hund wird vom Halter in das Platz gebettelt, dabei variiert die Frequenz der Tonlage mit unglaublicher Vielfalt. Von sanft bis burschikos. Nachdem die nacheinander folgenden Oktaven der Platzsonate verhallt sind, beginnt der Halter den Hund nach Ignoranz dieser gesungenen Forderung durch leichtes Drücken in die waagerechte Haltung drängen zu wollen.

Verdutzt blickt der Fordernde, wenn der Hund, mit schelmischen Blick, einfach stehen bleibt und sich mit vollem Einsatz dagegen stemmt. Einfordern zu dürfen heißt, sich gegenseitigen Respekt im Vorfeld erarbeitet zu haben. Dass Druck in der Regel Gegendruck erzeugt, ist jedem bekannt, der sich das eine oder andere Mal in den Physikunterricht verirrt hat.

Verlangt man einem guten Hund das Platz körperlich ab, wird er sich bei fehlender Glaubwürdigkeit auf mentaler Ebene sperren was das Zeug hält. Dieses Sperren hat seine Ursache nicht im Ungehorsam, sondern vielmehr in der fehlenden Anerkennung von Seiten des Hundes zum Halter und im schlechten Aufbau der Übung.

Wird die respektvolle Auseinandersetzung mit dem Hund im Erziehungsprozess von Anbeginn permanent mit Futter umgangen, braucht man sich nicht zu wundern, dass ein späteres Fordern in einem Protest endet, sobald die Bezahlung stagniert.

Gehe ich eine Beziehung ein, wo der Partner die Liebe auf materiellem Fundament aufbaut, wird mich die Liebe irgendwann einen Ferrari kosten. In meinen Augen ist es nie als negativ anzusehen, wenn ein guter Hund mit klaren Zeichen protestiert, sobald der Mensch zu massiv in die körperliche Offensive geht, wenn noch nicht einmal die Basis in einer Beziehung steht.

Old English Bulldog schlaeft auf einer Decke, die auf einem Tisch liegt im Düsseldorfer Park.

Old English Bulldog lernt innere Ruhe schon im Alter von 8 Wochen

Der Aufbau ist, wie überall, entscheidend. Lücken zeigen sich immer erst hinten heraus.

Bei einem guten Hund wird es immer den Tag geben, wo er etwas in Frage stellt. Das meine ich nicht negativ. Ich persönlich freue mich über die sehr wertvollen Tage der mentalen Auseinandersetzungen zwischen mir und meinem Hund. Es gibt keine bessere Chance, den Hund zu überzeugen, dass man in Ausdauer, Beständigkeit und Konsequenz immer besser ist er als er.

Das ist auch der entscheidende Punkt, weshalb ich die Erziehung, rein mit Futter, als ungünstig ansehe. Menschlich gedacht:

Würde ich mein Kind komplett antiautoritär erziehen, es für alles, was es tut, reichlich beschenken, es auf ein Podest heben, weil es sich auf einen Stuhl gesetzt hat, und würde ich alles Negative ignorieren, damit die kreative Entfaltung meines Wunderkindes unter keinen Umständen blockiert ist, liegt die Vermutung nahe, dass dieser in Grenzenlosigkeit erzogene Halbgott an seine überdimensionale Genialität und die königliche Herkunft glaubt.

Selbst wenn dieses von den Göttern gepriesene Kind später zu dämlich wäre, sich mit 10 Jahren die Schuhe zu binden, würde es daran glauben, dass es keine Frage seiner Begrenztheit ist, sondern der Grund einer überdurchschnittlichen, meditativen Fähigkeit, sich dauerhaft im Versuch und Irrtum befinden zu können.

Diese Kinder zweifeln später möglicherweise jegliche Autorität an, oder haben zumindest Schwierigkeiten, diese anzunehmen und zu akzeptieren. Kinder, welche nie ein autoritäres Bild in ihrer Identitätsfindung vorgelebt bekommen haben, werden vermutlich in der Zukunft durch unverrückbare Grenzen hart getroffen.

Wer keine Grenzen kennt, wird sie erfahren. Wer keine Grenzen braucht, hat sie erfahren. Einig sind wir uns natürlich, dass es genau so schädlich ist, das falsche autoritäre Bild eingeprägt zu bekommen, wie keines! Genau dieses Problem haben viele Hunde mit ihren Menschen.

Dieses nie aufgebaute Autoritätsbild spiegelt sich genau dann wider, wenn der Mensch ernsthaft glaubt, mit einem Raubtier, welches ein herzliches, faires, aber klares Bild der Autorität benötigt, um seine vollwertige Position finden zu können, den neuen, sanften Weg des Hare Krishna gehen zu können.

Old Englisch Bulldog Welpe steht und blickt provozierend in die Kamera

Ich bin ein Hund und muss hier schon mal gar nichts machen!

Mir wurde erst vor kurzem von einer Trainerin berichtet, die diesen Weg tatsächlich einschlug. Eine Freundin ging mit ihrem Hund in die Kennenlernstunde und forderte von ihrem Hund ein Sitz. Daraufhin entgegnete ihr die Trainerin der Sanftmütigkeit, dass dieser Druck nicht nötig sei. Keiner muss sitzen, wenn er es nicht möchte.

Wir zwingen keinen Hund, Dinge zu tun, die er nicht von sich aus machen möchte. Das fand ich mal nett. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ihr Hund Kevin Justin geheißen hätte und bei einem Attackieren eines Menschen folgendes erklärt würde: “Kevin Justin, es ist vollkommen in Ordnung, wenn du diesen freundlichen Herrn in den Arm beißt.

Du musst deine Grenzen selber kennen lernen. Lass dich von der blutenden Wunde nicht irritieren, denn du benötigst deine Zeit, um zu erkennen. Verabschiede dich nun von dem netten Mann. Du brauchst dich auch nicht entschuldigen, denn Freigeister müssen sich für nichts schämen. Hopp, such dir den Nächsten, vielleicht klappt es hier ja etwas besser.”

Verzeihen Sie mir meinen Zynismus, aber dem Hund in seiner kreativen Entfaltung freien Lauf zu lassen, mag bei einem Hündchen legitim sein. Bei einem Cane Corso, Rottweiler, Dobermann oder Bullterrier mit Verhaltensauffälligkeiten dürfte dieser Schuss nach hinten losgehen.

Futter kann im Aufbau eine Schwachstelle mit sich bringen!

Der Deckenaufbau mit Futter birgt eine weitere Schwachstelle in sich, die allerdings abhängig vom Motiv des Menschen ist. Futter baut eine Erwartungshaltung auf, die es wiederum unmöglich macht, dass sich der Hund in eine sehr ruhige, entspannte Haltung dauerhaft einfinden kann. In Erwartung zu sein, heißt, Erregung aufzubauen.

Steht der Hund in der Erwartungshaltung, in positiver Erregung zu mir, kann er nicht mehr aus der Ruhe heraus betrachten. Ist es das Ziel, im Hund ein besseres Stressmanagement aufzubauen, kann der Futtereinsatz das benötigte Abgeben verhindern, aufgrund des materiellen Bindens und der damit verbunden Erwartungshaltung im Hund.

Der Aufbau von Stressmanagement erfordert ein aktives Auseinandersetzen mit der Umwelt. Binde ich aber in diesem Fall den Hund mit Futter an mich, wird er auf mich fixiert sein, was zur Folge hat, dass er die Umwelt zeitlich ausblendet, solange er sich in der Erwartungshaltung befindet. Blende ich etwas aus, dann stehe ich in keiner aktiven Verarbeitung mit dem, was ich ausblende.

Ein situatives Ausklammern über ein Ablenken wird die Ursache eines unsicheren Verhaltens nicht ändern, da man in der Symptomatik stecken bleibt.

Ruhiges und sanftes Führen – Das Einbringen ist eine Kunst

Ich bediene mich einer Herangehensweise, bei der ich den Hund über ein persönliches Einbringen in die Platzposition gleiten lasse. Diese Art und Weise ist definitiv nicht einfach, weil sie vom Menschen, besonders bei einem Hund mit viel Persönlichkeit, alles Spüren, Fühlen, Verständnis, Liebe und Klarheit abverlangt, die er aufbringen kann, um den Hund in eine positive, konfliktfreie Verknüpfung zu bringen.

Bei dieser Arbeit geht es nicht um das Wollen, auch nicht um das Sollen. Es ist wahrlich eine herzliche Auseinandersetzung, sobald man verstanden hat, worum es geht. Setzt der Mensch seinen Willen ein, um den Hund über die Führungstechnik in die liegende Haltung zu bringen, wird er in eine Blockade rennen und Vertrauen zerstören.

Der reibungslose Ablauf ist von vielen Faktoren abhängig. Das Energielevel beider Akteure, als auch die Gemütsverfassung des Menschen beim Einbringen, ist ausschlaggebend. Die Fähigkeit, ein gedankenfreies Arbeiten mit dem Hund zu gewährleisten, sobald man mit ihm in die Verbindung tritt, ist Voraussetzung, um die Widerstände zu spüren und abzufangen, um Blockaden zu vermeiden.

Wenn ich mir bei dieser Arbeit Gedanken über die Einkaufsliste mache oder mich noch über den Nachbarn ärgere, bin ich weiter vom Hund entfernt als die Erde zur Sonne. In vielen Fällen muss eine Vorarbeit erbracht werden, damit ein ruhiges und sanftes Arbeiten ermöglicht werden kann, weil zu viele Differenzen zwischen Mensch und Hund offen stehen.

Die Herangehensweise des Einbringens offenbart mir sehr viel über den Menschen und den Hund. Sie deckt viele Schwächen auf. Bei dieser Arbeit zeigt sich nicht nur das Nervenkostüm des Hundes klar und deutlich, sondern auch, wo die mentalen Stärken und Schwächen im Menschen zu finden sind.

Bringt der Welpe den Halter schon in diesen jungen Alter zur Weißglut, dann kann man sich sicher sein, dass es für den Menschen noch einmal sehr herausfordernd wird, sobald der Hund seinen 9. Monate erreicht hat. Hier kommt alles auf den Prüfstand.

Pitbull Lotta liegt auf der Decke im Park. Sie wirkt dabei sehr sourverän und blickt in die Kamera mit Stolz.

Pitbull Lotta war nicht in der Lage ruhig zu liegen. Jeder Reiz aktivierte ihr Triebverhalten und endete in Aggression.

Fazit:

Der Einsatz einer Decke findet in verschiedenen Ansätzen und Philosophien seine Anwendung. Die geruchliche Identifikation erleichtert das Verstehen und Verknüpfen mit einer Ruheposition. Bei allen unterschiedlichen Vorgehensweisen sollte man sich über die eigene Zielstellung im Klaren sein und sich bewusst vor Augen führen welche Herangehensweise zu welcher Verknüpfung im Hund führt.

Durch die saubere, herzliche, direkte Einarbeitung wirkt das sofortige Erleben von Distanz, gerade auf Welpen, sehr beziehungsfördernd. Das souveräne Betrachten der vorbeiziehenden Reize bringt den Hund in seiner Entwicklung weit nach vorn. Das Platz und das Ablegen auf einer Decke haben einen entscheidenden Unterschied.

Das eine ist geruchlich hinterlegt, schafft territoriales Abgrenzen, und das andere eben nicht. Stressmanagement baut sich zu Beginn optimal über Sicherheit auf, die über eine Person oder einen Ort bezogen werden darf. Die Decke ist daher ein hilfreiches Element, das man verwenden kann, oder auch nicht!

Mit Hunden leben – Hundeschule Düsseldorf

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Nervenstärke im Hund kann durch innere Ruhe und das Schaffen einer geeigneten Umgehen aufgebaut werden. Das Deckentrainig kann dabei Helfen!
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