Gedanken eines Trainers Hunderecht

Listenhund – NRW macht den Miniatur-Bullterrier gefährlich!

Miniatur Bullterrier neben Jack Russel Terrier am Strand
geschrieben von Carsten Wagner

Der Miniatur-Bullterrier gerät nun in die Schusslinie. Nordrhein Westfalen scheint nicht sonderlich viel von einer Gleichberechtigung im Umgang mit Leben zu halten. Anstatt die damals in Kraft getretene Rasseliste auf Grund der vorliegenden Fakten, welche den puren Unsinn dieser Verordnung belegen, nun endlich aus ethischen und moralischen Gründen aufzuheben, leiten sie ein weiteres ausrotten einer Hunderasse ein. Den Miniatur-Bullterrier. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier, in diesen Beitrag.

Polizeigesetz, zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit

Die Wellen schlagen erneut meterhoch. Seit am 13.04.2001 das sogenannte Polizeigesetz, zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit, in Kraft getreten ist, herrscht unter den Hundebesitzern Angst, gespannte Stimmung, bis hin zu körperlichen Ausschreitungen, da sich eher die Diskriminierung in der Hundewelt ausgebreitet hat, als die als notwendig propagierte Sicherheit der Bevölkerung. Mit dieser Regelung ist es dem Bundesbürger verwehrt, Rassen wie den Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder aber auch mit anderen Hunden aufgrund ihrer Gefährlichkeit zu halten, zu züchten und zu verkaufen.

Auch der Import aus anderen Ländern ist zu unterlassen und hat eine sofortige Beschlagnahmung zur Folge. Mit diesem sogenannten Polizeigesetz hat die Tierschutzregelung jedoch nichts zu tun und darf daher auch nicht mit dem Tierschutz in Verbindung gebracht werden, was jedoch irrtümlicherweise zu oft passiert. Maßgebend treibende Kraft für das fragwürdige Gesetz ist das Bundesministerium des Inneren.

Schon 2004, und zwar genau am 16.3.2004, hat sich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit der Frage beschäftigt, ob das Zucht und Einfuhrverbot bestimmter Rassen zulässig ist. Geprüft wurden unter anderem, ob das Grundgesetz in Bezug auf die geschützte Berufsfreiheit und das Gesetz des Eigentumsrechts verletzt wurde. Da ich kein Jurist bin, gehe ich auf den weiteren Prüfbestand dieses Gerichtsverfahren nicht ein. Das Urteil (Az.:1BvR 1778/01Q!), welches das Bundesverfassungsgericht jedoch bestätigt hat, ist genauso weise, wie es Sinn macht.

Darin heißt es:

Das Einfuhr- und Verbringungsverbot (§ 2 Abs. 1 S. 1 d. Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde = HundeVerbrEinfG) ist für die genannten vier Hunderassen verfassungsmäßig. Der Gesetzgeber hat allerdings die weitere Entwicklung zu beobachten, ob sich die der Norm der zugrundeliegenden Annahme tatsächlich bestätigen.

Haben Sie gemerkt?! Weise und sinngebend ist die folgende Aussage: Der Gesetzgeber hat allerdings die weitere Entwicklung zu beobachten, ob sich die der Norm zugrundeliegende Annahme tatsächlich bestätigten. Das ist schon der entscheidende Punkt, der mir so gar nicht in den Kopf gehen will. Zahlreiche Gutachten, wissenschaftliche Studien von hochdekorierten Verhaltensforschern haben schon lange belegt, dass die Gefährlichkeit bestimmter Rassen nichts mit dem Genpool zu tun hat, sondern zum größten Teil in der Verantwortung von Zucht und Haltung liegt. So wie es bei jedem anderen Hund auch der Fall ist.

Rasseliste – Was ist das überhaupt?





Rasselisten in den unterschiedlichen Bundesländern

NRW will besonders sein

Dieses Bundesland scheint sich mit dieser beibehaltenden Idiotie weiterhin abheben zu wollen. Dass die Bundesländer  Schleswig-Holstein, und Niedersachsen ihre Sichtweise mit klarem Verstand nachgebessert haben, indem sie die Rasseliste abschafften, wirkt für NRW bestenfalls als Schwäche.

Obgleich man behaupten könnte, dass sich diese Bundesländer aufgrund eines gesunden Menschenverstandes weiterentwickelt haben und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts – welches vorgegeben hat, dass die aufgestellte These der besonderen, vorliegenden Gefährlichkeit der aufgezählten Rassen zu beweisen ist – beim Wort nahmen, setzt NRW einen drauf.

Verwaltungsvorschriften zum Landeshundegesetz (VV LHundG NRW)

Denn NRW scheint weder das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu interessieren, noch sieht das Land in der Weiterentwicklung anderer Bundesländer den kleinsten Beweggrund, über das eigene Handeln nachzudenken. Nein, NRW packt gleich noch einen Hund dazu, den Miniatur-Bullterrier. Dabei meint NRW – vertreten durch seine Behörden und Ämter – ja gar nicht den Miniatur-Bullterrier, sondern den Standard-Bullterrier, der sich aus ihrer fachmännischen Betrachtungsweise aus dem Miniatur-Bullterrier urplötzlich verwandelt.

Ein Rassestandard ist kein Geburtsrecht

Zwei Mini Bullterrier Kampfhunde in NRWNach der nordrhein-westfälischen Behördendenke wird der Standard-Bullterrier, wie keine andere zweite Hunderasse, nicht mehr nur geboren, sondern regelrecht transformiert. Der Übergang vom Miniatur-Bullterrier zum Standard-Bullterrier geschieht sozusagen über Nacht. Wer sich die Zeit nimmt, soll diese Wandlung im Zeitraffer beobachten können. Wenn ein Hund dieser Rasse sein Wachstum bei 35,5 cm Widerristhöhe beendet, dann umgeht der Miniatur-Bullterrier diese verhängnisvolle Metamorphose zum Standard-Bullterrier.

NRW fordert VDH Papiere, aber erkennt sie nicht an

Das bedeutet, mit etwas Glück hat der Hundekäufer die Freude an dem, was er laut FCI/VDH-Papieren, gekauft hat. Einem Miniatur-Bullterrier mit einer sehr weit zurückreichenden Geschichte und einem dazugehörigen stark verzweigten Stammbaum. Dieser Stammbaum hat bei ausbleibender Metamorphose absolute Wertigkeit.

Doch jetzt kommt das Besondere in der nordrhein-westfälischen Denke: Übersteigt der Miniatur Bullterrier die 35,5 cm mit nur 0,5 cm in der Widerristhöhe, mutiert er automatisch zu einer ganz anderen Rasse. Diese Verwandlung scheint mikrokosmischer Natur zu sein. Denn so offensichtlich wie bei der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling ist es definitiv nicht. Aber immerhin.

Miniatur-Bullterrier wird im Schlaf zum Straftäter

Fassungslos macht mich persönlich die Äußerung, dass der Besitzer eines Miniatur-Bullterriers, der mit einer Ahnentafel des VDH/FCI seine tadellose reinrassige Abstammung nachweisen kann und außerdem schon seit sehr langer Zeit durch eine ordnungsgemäße Anmeldung bei der Stadt sein unauffälliges Leben leben durfte, plötzlich nachweisen muss, warum er diesen Hund, der über Nacht zu einer ganz anderen Rasse mutiert ist – was eben nur der Behörde mit klarer Weitsicht aufgefallen ist – hält.

Es muss also ab sofort vom Besitzer eines mutierten Hundes ein berechtigtes Interesse geltend gemacht werden können, wenn der Hund das geforderte Maß nicht mehr einhalten kann. Und hier sind sich die kommunalen Richtwerte gleich mal gar nicht mehr einig. Der Eine sagt 0,5 cm, ein Andere ist absolut toleranzlos und wieder ein Anderer setzt die Grenze bei 3 cm über der im FCI-Rassestandard angegebenen Soll-Größe.

Dass der züchterische Einfluss etwas früher hätte gestrafft werden müssen, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch dass die Zuchtverbände nachgezogen haben, weil das schon lange vorhandene Größenproblem etwas außer Acht gelassen wurde, beweisen die neuen Regularien. Das zeigt ein klares Handeln.

Zustände wie im dritten Reich

Dass der Versuch eine Rasse auf ein korrektes, genormtes Maß züchten zu wollen, zum Scheitern verurteilt ist, kennen wir doch alle schon von den irrsinnigen Vererbungsversuchen im dritten Reich, in dem der ideale Deutsche kreiert werden sollte. 180 cm, blaue Augen, blonde Haare. Nach dieser, sowohl ethisch, als auch moralisch absolut fragwürdigen Auffassung, wäre ich kein Deutscher mehr, denn ich bin viel zu individuell und noch dazu tatsächlich 2 cm größer als mein Vater. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kann das ja gar nicht mein Vater sein. Er ist in einigen Dingen so anders. Wer oder was bin ich denn jetzt eigentlich?

Die Individualität einer Rasse muss die Norm sein

Jeder, der sich nur halbwegs mit der Zucht von Hunden auseinandergesetzt hat, weiß von der Komplexität die vorherrschend ist, wenn es um Verhalten und Erscheinungsform geht. Ganz besonders dann, wenn kleine Rassen kreiert werden. Eine Rasse auf eine Norm zu bringen ist Wunschdenken. Die Rede ist vom Idealwert, der in der Zucht angestrebt werden soll. Ein züchterisches Geschick ist es dann, den idealen Rassehund über viele Würfe zu schaffen, der dem Idealbild am nächsten kommt. Dem Miniatur-Bullterrier seine Existenz absprechen zu wollen, weil er nicht in die Norm passt, ist nicht nur menschlich ein Desaster, sondern auch fachlich eine Katastrophe, die klarer nicht zeigt, dass an dieser neuen Satzung nicht der gesunde Menschenverstand beteiligt war, sondern die Willkür und ein Rassedenken.

VDH Papiere haben den Wert von Klopapier

Ein Miniatur Bullterrier auf der RasselisteWie kommen intelligente Menschen dazu, so eine Norm zu fordern? Ich bin gerade im Urlaub und traf einen Mann mit seinem Briard. Es ist ein wunderschöner Hund und der Besitzer sagte zu mir, dass dieser Prachtkerl 10 cm zu groß ist. Er ist nicht im Standardmaß. Ich bin überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, diesen Hund zu einem Barbet zu machen, nur weil er in der Zuchtgeschichte mal vorhanden war. Doch NRW kann das! Selbst wenn die Papiere bei einem Miniatur-Bullterrier einwandfrei vom VDH/FCI ausgestellt sind, werden sie als wertlos und gefälscht behandelt, weil man tatsächlich sagt, diese Papiere kann man ja manipulieren. Und weil der vorgestellte Miniatur-Bullterrier 0,5 cm über seiner Soll-Größe liegt, kann es sich demnach nur um einen Standard-Bullterrier handeln und seine Papiere sind dementsprechend als nichtig anzusehen.

NRW manipuliert und  löscht eine Hundegeschichte

Wenn eine Behörde nach solchen Richtlinien handelt, was soll man da noch sagen? Nordrhein-Westfalen bügelt einfach mal eine 200 Jahre alte Zuchtgeschichte einer eigenständigen Hunderasse aus dem Zeitstrahl der Entwicklung und will dem Bürger, dem Halter dieser Hunde weiß machen, dass das eigene Handeln fehlerfrei und absolut begründet ist. Das ist an manipulativer Willkür nicht zu übertreffen.

NRW fördert die Diskriminierung unter Hundehaltern

NRW macht es sich einfach und ohne auf die weitreichende individuelle Auswirkung einzugehen, wird mit einem Hammerschlag erneut in die Gesellschaft geschlagen, um die eigenen Interessen brachial zu vertreten. Es geht immer nur um Vorteil und nur selten um Nachsicht. So viele Jahre schon hat die Aufrechterhaltung der Listen nur Unruhe, Diskriminierung und ein sehr feindseliges Miteinander aller Hundebesitzer geschaffen.

Der Hundebesitzer, der sich brav an die Gesetzestreue hält und sich mit einem gesellschaftskonformen Hund öffentlich brüstet, ächtet seit jeher alle, die sich einem Listenhund angenommen haben, um ihm das traurige Dahinsiechen im Tierheim zu ersparen. Das dumme an der Sache ist, dass diese Menschen in der Tat voll davon überzeugt sind, dass sie die rechtschaffenden Menschen sind und der Besitzer eines Listenhundes nichts mehr zu melden hat, da er gebrandmarkt ist und nur auf ganz leisen Sohlen treten darf, um nicht der öffentlichen Behörde gemeldet zu werden. Und so verhält es sich in der Realität.

Die Rasselise füllt die Kassen, noch mehr aber die Tierheime.

Die Menschen, die derzeit einen Miniatur-Bullterrier ihr eigen nennen dürfen, haben mit der neuen Satzung nichts mehr zu lachen. Nicht, dass sie sich davor scheuen, die geforderten Auflagen zu ertragen, selbst wenn die unsinnige Kampfhundesteuer zum Beispiel in der Gemeinde Monheim pro Hund 1400 Euro im Jahr beträgt – sie würden sie zahlen, um ihren Hund zu schützen, dessen Aussicht der Tod im Tierheim ist, wenn sich der Halter sträubt. Schlimmer ist, dass Menschen mit einem Miniatur-Bullterrier ihr Heim verlieren, da viele Vermieter sofort Alarm schlagen und berechtigt sind, das Halten eines Listenhundes zu verwehren.

Wie bescheuert diese Satzung in der Realität ist, macht ein Beispiel erst einmal so richtig klar:

4 auffällige Huskys in der Öffentlichkeit kein Problem

Eine Frau, darf mit z.B. 4 Huskys auf die Straße gehen, die Auffälligkeiten zeigen. Sie kann sie niemals halten und die Hunde würden die Dame im Fall der Fälle quer über den Asphalt ziehen. Aber sie darf laut Satzung dieses Gespann der Öffentlichkeit vorstellen.

Jetzt kommt das Witzige daran:

2 Miniatur-Bullterrier in der Öffentlichkeit nicht erlaubt

Ein Besitzer, der nun zwei Miniatur-Bullterrier sein eigen nennt – zumindest noch – die eine Widerristhöhe von 36 cm aufweisen, darf er laut NRW nicht mehr zusammen draußen führen. Einzeln, mit Maulkorb, 1,5 Meter Leine und dem großen Sachkundenachweis darf er die Welt erkunden. Nicht aber mehr zu zweit. Ein Hund, der nicht größer ist als ein Turnschuh, wird gefesselt in den Hof geschickt, als wäre er ein Schwerstverbrecher. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mich über so viel Unfähigkeit normal zu denken, kaputtlachen.

Das Ausrotten verhindert keine Beißunfälle.

Außer, dass eine öffentliche Behörde vor langer Zeit geschickt begonnen hat, ein zielorientiertes Ausrotten von Hunden in die Bahn zu leiten, mit zu erwartendem Erfolg, hat sich keine erfolgversprechende Sicherheit eingestellt. Beißunfälle mit Hunden gibt es nach wie vor. Mitunter auch sehr schwere bis tödlich endende.

Die Zahl der Beißunfälle gibt sehr viel Aufschluss.

Schaut man sich die Beißstatistik etwas näher an, dann ist vorerst zu erwähnen, dass es keine verlässlichen Zahlen diesbezüglich gibt, weil die Schwierigkeit darin besteht, die Häufigkeit von Aggressionsproblemen konkret in Zahlen ausdrücken zu können.

Oft liegt hier ein subjektives Erfassen vor. Man geht jedoch davon aus, dass Deutschland jährlich zwischen 30 000 bis 50 000 Bisswunden zu verzeichnen hat. Man nimmt weiter an, dass 50% der Unfälle gar nicht gemeldet werden, was die Zahl gleich einmal verdoppelt. Es gibt keine Meldepflicht für Bissverletzungen, daher ist dies ein Richtwert. Dieser Richtwert vermittelt jedoch schon ein erstes Erkennen: Trotz hochbejubelter Rasseliste, die einen Großteil der besagten Rassen schon lange hinter Schloss und Riegel gebracht hat, ist die Zahl der Bissverletzungen unglaublich hoch. Um keine anderen Rassen in den Verruf zu bringen, werde ich sie nicht persönlich benennen. Soviel sei gesagt: Es sind nicht die aufgezählten Rassen, welche den Tierärzten und Chirurgen Überstunden verschaffen.

Jeder Unfall ist zuviel.

Hält man sich die Anzahl der Bissverletzungen vor Augen und bezieht diesen Vergleich mit den Ø 3,9 Todesfällen durch Hundebissen in Deutschland mit ein, dann zeigt sich eines klar: So, wie die Medien die Gefährlichkeit der Hunde darstellen, ist es bei weitem nicht!

Es ist keine Frage, dass jeder schwere Unfall bis hin zum Tod ein sehr schreckliches Ereignis und jedes Opfer zu viel ist. Hier gibt es keine Entschuldigungen und sowas darf sich  nicht wiederholen. Um Aufklärung zu betreiben sei jedoch dazu gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit von einem fremden Hund auf der Straße todgebissen zu werden, wesentlich geringer ist, als von den medialen Köpfen verbreitet wird. 90 Prozent aller Beißopfer kennen den angreifenden Hund, da er entweder der eigene ist oder aber ein Hund vom Nachbarn. Beißunfälle sind in der Regel Kommunikations- und Beziehungsprobleme zwischen den Involvierten.

Um ein klareres Bild von den Opfern zu bekommen, sei noch ein darauf hingewiesen, dass 2/3 der Opfer in der eigenen Familie Kinder unter 13 Jahren sind. Davon werden wiederum Jungen 2,2 Mal häufiger gebissen als Mädchen. Richten sich die Beißattacken gegen Erwachsene, verhält es sich genau umgekehrt. Dies liegt einzig und alleine an der Unwissenheit der Menschen und nicht an der Gefährlichkeit einzelner Rassen. Da es NRW ja so genau ungenau nimmt, sei noch darauf hingewiesen, dass juristisch gesehen, die Mehrzahl aller in Deutschland lebenden Hunde, gefährlich sind.

Juristisch gesehen ist fast jeder Hund gefährlich.

Denn pauschal gelten die Hunde als gefährlich, wenn folgendes vorliegt:

  • Der Hund ist bissig! Diesen Begriff würden schon alleine nur Laien benutzen.
  • Der Hund hat durch einen Biss verletzt.
  • Der Hund springt einen Menschen übermäßig an.
  • Der Hund zeigt ein unerwünschtes Verhalten. Ein hyperaktives Verhalten wird gleichgesetzt mit einem pathologischen Verhalten.
  • Der Hund rennt Wild hinter her. Das sogenannte Hetzen.

Im juristischen Sprachgebrauch ist ein gefährlicher Hund auch ein aggressiver Hund. Würden wir dieses bei der Liste auf die Goldwaage legen, müssten wir eine Liste erstellen, die alle ungefährlichen Hunde auflistet. Sie wäre deutlich kürzer.

Den vier gelisteten Hunderassen diese Statistik unterzujubeln ist regelrecht ein Witz. Denn sie sind am allerwenigsten daran beteiligt.

Der Hundeführerschein ist Kindergartenniveau

Eigentlich geht man davon aus, dass in den obersten Reihen der Politik Menschen sitzen, die sich auf Fakten berufen, um die Bevölkerung mit Sicherheit zu versorgen. Fakten sind fundierte, nachweisbare Ergebnisse, die schon lange vorliegen. Sie werden einfach übersehen. Warum nur?

So langsam muss man doch begriffen haben, dass weder das jahrelang aufrecht gehaltene Kampfhundegesetz gegriffen hat, welches die Beißvorfälle von Hunden auf Menschen zu verhindern suchte, noch der abverlangte minderbemittelte Hundeführerschein, welcher mit seinen Fragen noch lange keinen Hundeführer mit Verantwortung schult. Offengestanden mogelt sich fast jeder durch diesen Katalog, welcher beim Tierarzt gemacht werden kann und vergisst den ganzen Aufwand mit dem Türschlag von außen.

Menschen, die ein Land regieren, bekommen es nicht hin, in diesem Fall zur Listenhunderegelung, eine humane Lösung zu kreieren, um gerecht, menschlich, fair und vor allem sinngebend lösungsorientiert zu agieren. Das ist eine Farce.

Jeder Hund ist ein Bullterrier

Der Hund, egal welcher Rasse, kann ab einer bestimmten Größe, bei unsachgemäßer Handhabung, zu einer Gefahr werden. Dabei schützt die Etikette „Familienhund“ bei weitem nicht davor schwere Schäden zu verursachen. Mir ist bei meiner Arbeit erst vor kurzer Zeit ein Labrador vorgestellt worden, der aufgrund seiner Verhaltensauffälligkeiten wie ein Wanderpokal zwischen Neuvermittlung und Tierheim hin und her gereicht werden musste. Verständlicherweise. Dieser Hund verletze so sehr, dass die eine Übernahme den Neuling mit komplett bandagierten Armen zurückbrachte, während die andere um das Wohl des Partners und ihrer Kunden bangte. Auch wenn dieser Hund sehr subtiles Drohverhalten zeigte, war es für den Laien schwer einzuschätzen, was zu, mitunter sehr schweren, ernstgemeinten Attacken führte.

Es gibt keinen Familienhund.

Größe eines Miniatur Bullterriers auf dem Arm einer FrauIch weiß überhaupt nicht wie der Mensch darauf kommt, einem Hund die Bezeichnung Familienhund zuzuschreiben. Obwohl der Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Pitbullterrier, Staffordshire Bullterrier aber auch der Boxer als sehr kinderlieb gelten, und das sind sie in der Tat – jeder der einen klar denkenden Bullterrier mit einem Kind erlebt hat, weiß wovon ich rede – ist es noch lange kein Garant dafür, dass jeder Hund dieser genannten Rassen das Kind mit Freude und Liebe empfängt.

Ein Hund ist ein familientauglicher Hund aufgrund seiner Erziehung und nicht weil der Züchter damit wirbt. Ausschlaggebend ist bei allen Hunden ein sauberes Erbmaterial und vor allem der richtige Umgang mit dem Hund. Und hier ist der Ansatz für eine tiefgreifende Veränderung und nicht in einer absolut bescheuerten Liste.

Die Dummheit der Menschen ist Grund für eine Liste

In meiner Arbeit habe ich mit so vielen Menschen zu tun, wobei die meisten den geforderten Sachkundenachweis beim Tierarzt absolviert und bestanden haben. Es ist manchmal erschreckend, wie wenig Verständnis der Mensch, trotz des ausgefüllten Fragebogens zum sachgerechten Umgang mit dem Hund, mitbringt. Dieser Test kann nicht funktionieren. Einige Menschen glauben tatsächlich nach dieser kleinen geleisteten Prüfung, alle Narrenfreiheiten zu besitzen, um ihren „Familienhund“ überall und ohne Rücksicht laufen lassen zu dürfen.

Diese Menschen sind der felsenfesten Überzeugung, dass ein Bestehen der Sachkunde den Hund automatisch in den Gehorsam gebracht hat. Sollte etwas nicht funktionieren, dann kann er auch nichts dafür, weil anscheinend die Frage nicht gestellt wurde. Sonst könnte der Hund das ja. Ich könnte 80% der Hundehalter prügeln, weil sie mit ihrer Dummheit weder Respekt noch Nachsicht walten lassen und die verantwortungsbewussten Hundehalter in eine sehr unangenehme Lage bringen.

Es ist wie beim Autofahren. Sterben müssen zu oft die, die sich an die Vorgaben halten. Die Verursacher von schweren Verkehrsunfällen kommen meistens mit ihrem Leben davon.

Mein Vorschlag:

Ich bin definitiv dafür, dass ein Test für die Führung eines Hundes notwendig ist. Weiter bin ich dafür, dass Halter, bestimmter Hunderassen auch verstärkt kontrolliert werden dürfen, besonders im Vorfeld. Dabei muss eine genormte, regelmäßige Schulung in einer Hundeschule verlangt werden, der ein einheitliches Prüfsystem zugrunde liegt, um einen Standard zu gewährleisten.

Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Gebrauchshund, einen Herdenschutzhunde oder aber einen Jagdhund handelt.

Das Flensburger Punktsystem z.B. könnte helfen, Auffälligkeiten zu minimieren. Fällt der Hund auf, wird dies vermerkt und es wird ein Bußgeld und je nach Schwere ein Verbot oder aber ein Punkt verteilt. Ist die Punktkarte voll, ist der Hund weg. Hält man sich nicht daran, ist der Hund weg. Werden die Schulungen nicht getätigt, gibt es einen Punkt. Das macht in meinen Augen Sinn, denn hier würde jeder Hund drunter fallen und die Diskriminierung hätte ein Ende. Das ist nur ein Gedanke von mir, der zum Denken anregen soll.

Wir brauchen nur den Richtigen.

Mein Wunsch an die Politik ist folgender: Eine Politik sollte sich auf Fakten berufen und den Bürger nicht nach Lobbys unterteilen, in denen die eine Gruppe einen höheren Nutzwert hinsichtlich der eigenen Interessen hat und die anderen Randgruppen vernachlässigt werden können, weil sie dem politischen Ziel nicht dienlich sind.

Ich persönlich bin guter Dinge und glaube fest daran, dass sich in geraumer Zeit einiges ändern wird, denn vielleicht ist es ja so, dass die richtigen Beweggründe noch nicht an den richtigen Politiker herangetragen wurden. Einen, der mit Menschlichkeit prüft sowie Vernunft und Verstand einsetzt, um fair und tierschutzkonform zu handeln.

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