Gedanken eines Trainers

Ein Hundegehege ist auch nur ein Dixiklo

Hundegehege und Klo
geschrieben von Carsten Wagner

Großstätte haben sich für den Hund etwas Besonderes einfallen lassen. Den Hundefreilauf. In Düsseldorf-Wersten ist dieser mit seiner Größe ausreichend gestaltet. Mitten im Park gelegen, ist das Gehege ruhig genug, um einfach mal die Sinne herunterfahren zu können, weil die Hunde – aufgrund der Umzäunung – frei herumlaufen können und man sich nicht um ungewollten Hundekontakt Gedanken machen muss. Man findet uns nicht regelmäßig in diesem Gatter und wenn, dann nur zur Morgenzeit, weil sich zu dieser Tageszeit nur wenige Hundehalter dahin verlaufen.

Es gibt so zahlreiche Situationen im Alltag, in denen der Mensch gezwungen ist, seinen ganzen Charakter aufgedeckt zu präsentieren, weil er nun mal nicht anders kann. Aufgrund dessen, dass wir im erhitzen Gemüt oft wenig Einfluss auf unsere innen angelegten automatisierten Programme haben – da wir so wenig Zeit mit ihrer Entschlüsselung verbringen – müssen wir uns manchmal der Peinlichkeit ergeben.

Tick, Trick und Track – so nenne ich mein Trio manchmal – laufen im Gehege frei herum, während ich auf einer Bank den bewegenden Fluss der Wolken beobachte und die Besonderheiten der Morgenstunde, ohne schon etwas vom bevorstehenden Tag abzuverlangen, auf mich wirken lasse.

Ein Hundegehege ist auch nur ein Dixiklo

Als hätte ich es geahnt, wendet sich mein Blick zu einem der beiden Ein- und Ausgänge des Geheges. Die Selbstverständlichkeit, in weiblicher Gestalt, stand an der Tür und drückte die Türklinke nach unten, um mit ihrem aufgedrehten Hund in das Gehege zu treten. Ich rief „Einen Moment bitte!“ und fragte sie höflich, was das denn hier wird? Sie sagte, ihr Hund möchte spielen und sie kommt jetzt herein, damit sich ihre pelzige Akkuzelle auf vier Beinen mal so richtig entladen kann. Ich erwiderte, dass es sehr höflich wäre, bitte vorher zu fragen, ob es uns denn genehm wäre, denn es gäbe ja zahlreiche Gründe, weshalb so ein unerwartetes Zusammentreffen ungünstig verlaufen könnte. Das verstand sie nicht und sagte: „Das ist eine öffentliche Einrichtung und es steht somit jedem zu, sie zu benutzen. Da braucht man auch nicht fragen“. Daraufhin entgegnete ich der Dame des öffentlichen Rechtsanspruchs, dass sie im Grunde genommen Recht habe. Doch, sagte ich, nehmen wir mal an, ich würde mich jetzt in einem Dixiklo befinden, um mich aller Unreinheit des Vortags zu entledigen. Auch dies ist eine öffentliche Einrichtung und darf, rein rechtlich, von jeder Person, die sich in diesem Land befindet, ohne die Bitten vorauszuschicken, in Anspruch genommen werden. Ich fragte sie weiter, ob sie denn bei diesem lose stehenden Abort auch so einfach die Tür geöffnet hätte, mit runter gezogener Buxe eingetreten wäre, mit der Bitte, ich solle rutschen, da dies eine öffentliche Toilette ist und es ihr rein rechtlich zustehe, das Scheißhaus mit mir teilen zu dürfen.

Diesen Vergleich hätte ich mir sparen können, denn sie schaute wie eine, der man gerade einen Spaten vor dem Kopp gekloppt hat. Leerlauf, Fragezeichen, Blackout.

Der Laie will den Fachmann

Hat sie nicht verstanden. Ich erklärte es fachmännisch. Ich sagte ihr, ich hätte nichts dagegen, dass sie ihren distanzlosen, aufgedrehten Hund in meinen Haufen reinschmeißt. Solange dieser Hund sich benehmen kann wird alles reibungslos ablaufen. Sollte ihr braver Hund jedoch wie ein Pfeil auf die gesetzte Bullterrierdame pfeffern, dann wird es wohl so sein, dass die gereifte Dame ihrem Hund erklärt, dass in diesem Gehege nur ein gleichmäßiges, ruhiges Atmen gestattet ist. Es wird eindringlich sein und wenn sie kurz nachzählen wolle, dann müssten wir erkennen, dass sich drei Hunde eines sehr intakten sozialen Gefüges in diesem Gehege befinden. Wir müssten weiterhin davon ausgehen, dass wir ein Lernen über Stimmungsübertragung nicht unterschätzen dürfen. In einem sehr intakten Verbande kann es so sein, dass die Jungtiere die erregte Stimmung eines älteren, ranghöheren Tieres sofort wahrnehmen und es unterstützen. Ein sogenanntes Meuteverhalten wird nun dazu führen, das ihre pelzige Duracell die Dresche ihres Lebens bekommt. Ich könnte es unterbrechen, was ich aber nicht tun würde, da sie ein Mensch zu sein scheint, der vorzüglich über Erfolg und Misserfolg lernt. So, wie es gleich ihr Hund tun würde, der mit Null Respekt und Achtung in den gesetzten Bullterrier mit Spondylose knallen wird. Die Schmerzen, die der Bullterrier aufgrund dieser Erkrankung durch die ruckartige Bewegung spürt, wird er mit ihrem Hund in Verbindung bringen, was die Sache einer freundschaftlichen Begegnung nun nicht unbedingt fördert. Über das Rechtliche brauche sie sich auch nicht weiter Gedanken zu machen, oder darüber, wer die Tierarztkosten trägt, da alle Hunde frei im Gatter laufen und ich sie darauf aufmerksam gemacht habe, was die Folgen ihrer rechtlich korrekten Inanspruchnahme öffentlichen Eigentums sein werden. Die Versicherungen entscheiden, dass jeder seinen Teil des Zusammenflickens selber trägt. Dazu wäre es sicherlich nie gekommen, doch ich habe es einfach mal so im Raum stehen lassen. Manche sind einfach nur zu simpel gestrickt, um zu verstehen, dass es einfach eine Frage der Höflichkeit ist, jedem zu gestatten, allein sein zu wollen.

Ich schütze meine Hunde

Es gibt aber noch einen anderen bedauerlichen Grund, weshalb ich meinen Hunden gerade solche Begegnungen erspare. In der Zeit, in der ein Miniatur-Bullterrier schon lange nicht mehr das sorgenfreie Leben in NRW leben kann, da die Satzungen gravierend angezogen haben, sind mir gerade solche Menschen mit ihren Hunden ein Dorn im Auge. Denn gerade dieser Schlag Menschen, der schon bei einem Gehege seinen Rechtsanspruch geltend machen möchte, wird auch jener sein, der bei einem Kratzer an seinem Hund ein Spezialkommando anfordert und das Telefon seiner Rechtsschutzversicherung heißlaufen lässt. Obgleich ich mit Anwälten gut versorgt bin, habe ich für das ganze Theater im Nachhinein Null Ambitionen. Ich wähle derzeit jede Halterbegegnung sehr sorgfältig aus. Früher musste man sich nur über die Hunde Gedanken machen. Heute sind es vermehrt die Menschen, die ausgewählt werden müssen, um die eigenen Hunde zu schützen. Ja, Sie haben richtig gehört. Ich schütze derzeit meine Hunde vor der Gesellschaft. Laufen die Hunde frei, tragen sie einen Maulkorb. Nicht weil sie es müssen, sondern einzig und allein, weil der Mensch in seinem Rechtsempfinden alles an Geschichten erfindet, nur um auf sein menschlich empfundenes Recht zu pochen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Sollte es zu einer ganz normalen Rangelei kommen, wird es außer Frage stehen, ob mein Hund einen Kratzer verursacht hat. Traurig. Und genau deshalb lasse ich meine Hunde unter sich.

Sie schloss die Tür von außen, bedauerte mich, was ich wohl für aggressive Hunde hätte und ließ mich erkennen, dass der Weg einer tiefen Freundschaft jetzt verwehrt bleibt. Auf Dauer!

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Carsten Wagner

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