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Irische Mafia nimmt das Aussteigerprojekt gerne an!

Setter - Mit Hunden leben
geschrieben von Carsten Wagner

Seit nun fast sechs Jahren begleitet mich meine Setterhündin. Sie ist ein wunderbares Mädchen geworden. Das war nicht immer so. Von Anfang an konnte sie nicht selber zur Ruhe kommen und war sehr, sehr schnell, wenn es um das Lernen von Tricks, und Grundsignalen ging. Über Hundekekse, Spiele ….. war sie bereit sich einzubringen und hatte es heraus, als Kaufmann ihre Geschäfte zu machen.

Das funktionierte auch so lange alles sehr gut, bis sie sich durch eine wenig optimal gelaufene Hundebegegnung auf die Fahne geschriebene hatte „bevor andere mich angehen, bin ich einfach schneller!“ Gleichzeitig hatte sie abgespeichert, meine Menschin ist nicht in der Lage auf uns zu achten und somit muss ich diesen Job erst recht übernehmen.

Zunächst haben ich versucht die Situation über Ablenken, dem aus dem Weg gehen von Hundebegegnungen etc. zu lösen. Das Ergebnis: ich stand mitten auf einer verkehrsreichen Strasse, im besten Fall nur mitten im Gebüsch oder auf matschigem Feldboden. Als wir dann im Frühjahr 2015 in einem Café gesessen haben und ein Artgenosse ca. 5m an uns absolut ruhig vorbeiging, schoss unsere Hündin unter dem Tisch hervor. Abgesehen von den „fliegenden Tassen“ ist weiter offensichtlich nichts passiert. Doch nur offensichtlich: das war der Tag, an dem ich beschlossen habe, bis hierhin und nicht weiter.

Manchmal spielt einem das Schicksal zu: so bin ich an die Adresse von Carsten gekommen. Im Mai 2015 im Auto unterwegs auf dem Weg nach Berlin folgte ein erstes ausführliches Gespräch. Und ich hörte immer nur, bekommen wir hin und kein Problem. Gedachte habe ich: wir werden sehen!

Wenige Tage später bin ich dann mit meiner Fellnase zu ihm gefahren. Carsten hat sich alles tapfer angehört und sagte dann: „lass mich mal sehen!“. Was dann kam war der Kracher. Zwei drei Interventionen seinerseits und unsere irische Mafia (wie wir unser Energiebündel liebevoll nannten), zeigte deutlich – was Du von mir willst habe ich verstanden und ich kann an Dich abgeben – bin dann zwar arbeitslos, doch das gefällt mir sehr, sehr gut. Mir indessen viel die Kinnlade hinunter und hatte eine Gedankenblase, die in etwa so lautete: „sämtlichen Zirkus habe ich veranstaltet und dann kommt jemand der unsere Hündin nicht kennt und sie sagt sofort zu allem OK! … seltsam?!?!?“ Mein Ehrgeiz war geweckt und der Wille da, dem gleich zu tun – was einerseits gut war und andererseits eben auch eine Hürde darstellen sollte!

Wieder Zufall! Zwei Tage später war Sarah in Köln und es war genau noch ein Platz frei.

An dem Sonntag hörte ich Karsten und Sarah nur sagen: guter Hund, keine Grundaggression – vielmehr Unsicherheit und Ängstlichkeit!

Während des Sommers bin ich im Abstand von zwei bis vier Wochen immer wieder zum Coaching zu Carsten gefahren. Im zweiten Termin habe ich mir noch die Frage gestellt: wer hat denn jetzt die Baustelle: unsere Hündin oder ich? Damals war mir schon die Aussage mit dem „anderen Ende der Leine“ bekannt, doch welcher Hundebesitzer hat nicht viele vermeintlich logische Erklärungen, warum es nicht ganz optimal läuft. Im Zweifelsfall: Schuld sind immer die anderen! – andere Hundebesitzer, freilaufende Hunde, Situationen die als außergewöhnliche benannt werden oder eben der eigene Hunde.

Und irgendwann war die Antwort klar: ich habe eine wunderbare Hündin, die von mir gelenkt, geführt oder wie auch immer man es nennen möchte – werden möchte. UND GENAU DAS – war meine Herausforderung! – Jedes „ich will“, jede Frustration, jedes Nachtragendsein, …. meinerseits und auch jegliches Denken „ob wir an dem Hund vorbeikommen“ bzw. „hoffentlich geht das gut“ goutierte sie mit „dann eben nicht“. Jedes „vielleicht muss ich mich ja doch nicht einbringen“ bedeutete für Sie: meine Menschin ist nicht in der Lage auf mich zu achten!

Das hat mich den Sommer 2015 beschäftigt. Manchmal haben wir in der Beziehungsarbeit große Schritte nach vorne gemacht und dann kleinere und größere zurück. Und immer wieder das ehrliche Feedback von meinem Coach. Besonders dankbar war ich im Oktober als ich mich mit meinem „Ich will!“ bei der Stabilisierung gegenüber Knallgeräuschen eigenhändig ins Aus geschossen habe. Und es gut ist zu wissen, dass dann jemand da ist, der einerseits den Menschen so spiegelt, dass er dann mit dem Hund den Faden wieder aufnehmen kann.

Im Herbst/Winter 2015 platzte bei mir immer mehr der Knoten: der Samen der sozialen Beziehungsarbeit ging auf und an.

Im Januar 2016 konnten wir den grundsätzlichen Prozess beenden. Das heißt nicht, dass wir nichts mehr tun müssen oder immer perfekt sind. Wer will das schon?!?

UND: wir sind richtig gut!

Was heißt das? Wir passieren nun Artgenossen ohne Leine bzw. dort wo Leinenpflicht erforderlich mit lockerer. Bei lauten Knallgeräuschen läßt mich unsere Fellnase nicht mehr stehen oder bewegt sich keinen Meter mehr. Besuch, der zu uns kommt, wird nicht mehr „überfallen“, da sie Ihren Platz auf der Decke hat und diese gleichzeitig ihr Ruhepol ist. Ich mich da einbringe, wenn ich es für uns, als Team, notwendig halte, ohne mitten auf der Strasse zu stehen o.ä. Und ich für sie KLAR bin – ohne Groll! Und anstatt Dinge zu regeln, sich hinter mich stellt, mich anlacht, wenn wir GEMEINSAM eine Situation gemeistert haben – ich liebe diesen Gesichtsausdruck! Sie freiwillig mit mir geht … wir gemeinsam ziehen!

Übrigens: genau ein Jahr später war ich wieder in Berlin … der Standardsatz hieß: „weißt Du noch letztes Jahr?!?“ Na klar weiß ich noch! Und na klar geht alles noch viel besser und ich weiß, ohne die Begleitung im letzten würde ich nicht mein Ding machen! Ich habe meinen Weg gefunden!

Die ersten Worte von Carsten waren: „Es wird nicht immer einfach sein, doch wenn Du den Prozess einmal durchgegangen bist, wirst Du zufrieden sein!°“ Jepp – so ist es! In dem Sinne: Tun nicht Denken!

Auf geht´s!

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Carsten Wagner

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